Seele

Willkommen auf der Seelenseite von analogo.de. Die Wissenschaft scheint noch keine klare Bezeichnung für die Seele bzw. das Seelenleben gefunden zu haben. Manche vermischen den Begriff mit dem Geist, für andere wiederum sind Geist und Seele zwei verschiedene Dinge. In Indien ist die Seele ein Teil des Geistes, ja seine ewige Essenz. Der Lebenshauch Atman steht hier für das Selbst. Das deutsche Wort Atmen dürfte aus dem Alt-Indischen Sanskrit übernommen worden sein. Das Alt-Griechische Wort Psyche (ψυχή) wird mit dem Begriff des Atems übersetzt.

Insofern hat die Seele direkt mit der für die Person ganz persönlichen Art und Weise zu tun, wie sie atmet. Tatsächlich liegen Heilungserfolge in Yoga und Meditation an einer unterstützenden Bewusstmachung des eigenen Atmens. Dass der Atem ruhiger wird, wenn wir im flow sind, oder wenn wir einfach eins sind mit uns selbst, wenn wir Vertrauen schenken und solches entgegengebracht bekommen, ist eine wunderbare Seelenerfahrung.

Je nach Breitengrad und Kulturverständnis sowie Religion macht sich jedes Land einen anderen Begriff von der Seelenidee. Dennoch könnten Atemerkrankungs-Epidemien wie durch das neuartige Coronavirus ein Indiz dafür sein, wie die Welt aus den Fugen gerät, weil so viele Menschen nicht mehr bei sich sind. Irgendetwas macht die Menschen zunehmend atemlos, sei es durch die Dauererreichbarkeit über ihr persönliches Funksystem “Smartphone” oder das Veränderungstempo in einer Welt, in der nur wenige Dinge in einer Woche noch so sind, wie sie heute sind.

Veränderungen sind wie der Tod. Irgendetwas geht, dafür kommt etwas Neues. Sind die Lebenszyklen allzu kurz, sinkt die Freude an der Gegenwart. Über die Wahrnehmung, das Bewusstsein und die Erinnerung an das gerade Dagewesene bilden sich Vertrauen und Selbstvertrauen. Auf dem Weg zur eigenen Seele hat das Wort bzw. die Sprache eine ähnliche Mittlerfunktion wie der Atem. Sind die Lebenszyklen zu schnell, liegt der Fokus immer nur auf der Zukunft. Die Gegenwart verliert ihre Berechtigung. Diesem Umstand folgt ein neues Denken, welches wiederum das Verhalten verändert. Durch die beschleunigten Prozesse gleichen sich die Kulturen immer mehr an.

Haben sich von Schanghai bis Madrid dieselben schnelllebigen Kulturen entwickelt, trifft man heute in Ländern wie Äthiopien und Mynamar noch auf eine Kultur mit viel Muße und Gelassenheit. Man erkennt es am allseits vorhandenen milden Lächeln der Menschen. An der sanften Freude, wenn im äthiopischen Hochland der Fahrer des Jeeps in der Pause dem bewaffneten Begleiter ein Stück Injera Fladenbrot an den Mund reicht, und der Gefütterte dieses bedächtig entgegennimmt. Im Paradies gib es keine Pünktlichkeit.

Ausreichend Zeit ist eine Quintessenz für eine gute seelische Gesundheit. Gesundheit durch geduldiges Zuhören, die Abwesenheit von Drängeln im Verkehr und das vernünftige Ausredenlassen des Anderen im Meeting. Und Gesundheit im allgemeinen Sinne durch mehr Demut, Ehrfurcht und Respekt mit sich selbst und seinem Umfeld. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud sagte einmal von den Iren, sie seien eine Rasse, der nicht mit Psychoanalyse zu helfen sei. Vielleicht sollte man mal nach Irland fahren.

analogo.de wünscht viel Freude bei der Lektüre der Seelenseiten.

Seelenlandschaft. Seele = Psyche = Atem. Der Atem des Waldes. Bildrechte: Free-Photos auf Pixabay 931706_1920

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